Kurz und klar: Nein, die Schweiz ist noch nicht in Erasmus+, aber ja, das koennte sich aendern. Der Bundesrat strebt eine volle Erasmus+ Assoziierung der Schweiz ab 2027 an. Das waere die erste vollstaendige Teilnahme seit 2014. Geschaetzte Kosten fuer den Bund: rund CHF 170 Millionen (etwa EUR 181,1 Millionen) pro Jahr. Politisch moeglich wurde das durch den materiellen Abschluss der Schweiz EU Verhandlungen Ende 2024. Eine definitive Bestaetigung steht aber noch aus, Movetia kuendigt naehere Klarheit fuer Herbst 2026 an. Fuer dich als Studentin oder Student mit Praktikumsplaenen fuer Herbst 2026 oder Fruehling 2027 aendert das im Moment nichts: Die heutige Movetia SEMP Foerderung bleibt die Option, die du jetzt beantragst.
Warum die Schweiz seit 2014 nicht mehr in Erasmus+ ist
Bis 2014 war die Schweiz vollwertiges Erasmus Teilnehmerland. Nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative im Februar 2014 setzte die EU die Verhandlungen ueber die volle Schweizer Teilnahme an Erasmus+ aus. Die Schweiz wurde faktisch zum Drittstaat im Programm degradiert, mit stark eingeschraenkten Moeglichkeiten.
Statt die Luecke unbesetzt zu lassen, baute die Schweiz mit dem Swiss European Mobility Programme (SEMP) ein eigenes, national finanziertes Ersatzprogramm auf, verwaltet von der Agentur Movetia (gegruendet 2016, Nachfolgerin des frueheren Schweizer Erasmus Buero). SEMP bildet die Erasmus+ Foerderlogik weitgehend nach, laeuft aber komplett ausserhalb des EU Programms und wird vollstaendig vom Bund und den Kantonen finanziert statt aus dem EU Budget.
Zehn Jahre lang war das der Status quo: europaeische Nachbarlaender mit direktem Erasmus+ Zugang, die Schweiz mit einem eigenstaendigen, aber im Umfang kleineren Parallelsystem. Der Unterschied war fuer Schweizer Studierende vor allem administrativ spuerbar, SEMP Antraege laufen ausschliesslich ueber das International Office der eigenen Hochschule, nicht ueber ein zentrales EU Portal.
Was sich ab 2027 aendern koennte
Mit dem materiellen Abschluss der Schweiz EU Bilateralen Verhandlungen Ende 2024 ist die politische Blockade, die seit 2014 bestand, im Grundsatz geloest. Eine volle Erasmus+ Assoziierung ist damit wieder realistisch. Sie ist Teil des neuen Bilateralen Paket Schweiz EU, verhandelt im Rahmen des EU Programmabkommens (EUPA), und bleibt eine politische Prioritaet des Bundesrats. Ziel ist eine Teilnahme ab 2027, mit geschaetzten Kosten von rund CHF 170 Millionen pro Jahr fuer die Schweiz.
Wichtig fuer die Einordnung: Das ist eine klare politische Zielrichtung, aber noch keine besiegelte Tatsache. Die genaue Ausgestaltung, das Inkrafttreten und die konkreten Foerdersaetze fuer Schweizer Teilnehmende sind noch nicht final veroeffentlicht. Movetia selbst hat angekuendigt, dass naehere Klarheit im Herbst 2026 zu erwarten ist.
| Merkmal | Heute: Movetia / SEMP | Ab 2027 (angestrebt): Erasmus+ Assoziierung |
|---|---|---|
| Status | Nationales Schweizer Ersatzprogramm | Volle EU Programmteilnahme |
| Finanzierung | Bund und Kantone (national) | Teilweise EU Budget, Schweizer Beitrag ca. CHF 170 Mio./Jahr |
| Verwaltung | Movetia, ueber International Office der Hochschule | Voraussichtlich weiterhin ueber Hochschulen, im EU Rahmen |
| Abgedeckte Mobilitaeten | Praktika, Studienaufenthalte (Schweizer Auspraegung) | Praktika, Studium, Lehrtaetigkeit, Freiwilligenarbeit (voller EU Umfang) |
| Foerderbetraege | Bekannt: CHF 300 bis 600/Monat je nach Zielland | Noch nicht veroeffentlicht, tendenziell staerker standardisiert ueber Partnerlaender |
| Verbindlichkeit | Aktuell gueltig und beantragbar | Politisches Ziel, nicht final bestaetigt |
Der wesentliche Unterschied liegt im Programmumfang. Erasmus+ deckt neben Praktika auch Studienaufenthalte, Lehrtaetigkeiten und Freiwilligenarbeit ab und ist am vollen EU Programmbudget finanziert statt als kleineres nationales Substitut. Das bedeutet in der Regel groessere Gesamtbudgets und staerker standardisierte Foederbetraege ueber die Partnerlaender hinweg, so wie es zum Beispiel deine deutschen Kommilitoninnen ueber Erasmus+ direkt kennen. Erfinde dir aber keine konkrete zukuenftige Foerdersumme, die Zahlen fuer Schweizer Teilnehmende sind schlicht noch nicht bekannt.
Was das nicht bedeutet: Eine Erasmus+ Assoziierung ist keine Ruecknahme oder Abschaffung von SEMP. Realistisch ist ein Uebergang, bei dem Movetia weiterhin die zentrale Schweizer Anlaufstelle bleibt, nur eben eingebettet in ein groesseres EU Programm statt als eigenstaendiges Parallelsystem.
Was das jetzt fuer deine Praktikumsplanung bedeutet
Wenn du dein Praktikum fuer Herbst 2026 oder Fruehling 2027 planst: Warte nicht auf Erasmus+. Die heutige Movetia SEMP Foerderung ist die Option, die du jetzt beim International Office deiner Hochschule beantragen kannst, mit bekannten Betraegen, bekannten Fristen und einem eingespielten Ablauf. Eine moegliche Erasmus+ Assoziierung ab 2027 ist ein politisches Ziel mit klarer Richtung, aber sie ist noch nicht in Kraft und aendert nichts an dem, was du diese Saison beantragen kannst.
Konkret heisst das: Betrieb sichern, Learning Agreement mit deiner Hochschule klaeren, SEMP Antrag fristgerecht einreichen, typischerweise drei bis fuenf Monate vor Praktikumsbeginn. Parallel dazu lohnt es sich, dein Profil so aufzubauen, dass Unternehmen dich unabhaengig vom Foerderprogramm finden. Schau dir zum Beispiel an, warum ein strukturiertes Praktikumsprofil bei der Bewerbung den Unterschied macht, gerade wenn du dich international bei Betrieben in Ländern wie Barcelona, Berlin oder Amsterdam bewirbst.
Wie du auf dem Laufenden bleibst
Die verlaesslichste Quelle fuer den aktuellen Stand ist Movetia selbst. Die Agentur kommuniziert laufend zum Verhandlungsstand und hat fuer Herbst 2026 eine naehere Klaerung zur Erasmus+ Assoziierung angekuendigt, vermutlich sobald das EU Programmabkommen weiter konkretisiert ist. Bis dahin gilt: SEMP ist das aktive, gueltige Foerderprogramm. Es lohnt sich, die Movetia Website vor deiner naechsten Antragsrunde kurz zu checken, aber es besteht kein Grund, deine Planung deswegen aufzuschieben.
Fuer Hochschulen und International Offices bedeutet die angestrebte Assoziierung mittelfristig wahrscheinlich mehr Abstimmungsaufwand mit EU Partnerhochschulen, aber das ist Sache der Institutionen, nicht etwas, worauf du als einzelne Studentin oder einzelner Student warten musst, um deine eigene Bewerbung zu starten.
Häufige Fragen
Nimmt die Schweiz ab 2027 an Erasmus+ teil? Noch nicht bestaetigt, aber als politisches Ziel des Bundesrats klar in Vorbereitung. Geschaetzte Kosten rund CHF 170 Millionen pro Jahr. Definitive Klaerung wird laut Movetia im Herbst 2026 erwartet.
Warum ist die Schweiz seit 2014 nicht mehr in Erasmus+? Nach der Masseneinwanderungsinitiative 2014 setzte die EU die Verhandlungen aus. Seither laeuft die Schweizer Mobilitaetsfoerderung ueber das national finanzierte SEMP via Movetia.
Was ist der Unterschied zwischen Movetia SEMP und Erasmus+? SEMP ist ein nationales Ersatzprogramm mit eigener Finanzierung. Erasmus+ ist das EU Programm selbst, mit groesserem Budget und einheitlicherer Foerderstruktur ueber alle Partnerlaender.
Soll ich mit meiner Bewerbung auf Erasmus+ 2027 warten? Nein. Fuer ein Praktikum ab Herbst 2026 oder Fruehling 2027 ist die heutige SEMP Foerderung die richtige, verlaessliche und aktuell einzig beantragbare Option.
Was wuerde Erasmus+ zusaetzlich bringen? Vollen EU Programmumfang inklusive Studium, Lehrtaetigkeit und Freiwilligenarbeit, tendenziell groessere Budgets und standardisiertere Betraege. Konkrete zukuenftige Foerdersaetze fuer die Schweiz sind noch nicht veroeffentlicht.
Wie viel wuerde die Teilnahme die Schweiz kosten? Rund CHF 170 Millionen (etwa EUR 181,1 Millionen) pro Jahr, Teil des neuen Bilateralen Pakets Schweiz EU (EUPA), noch nicht endgueltig beschlossen.
Wo finde ich verlaessliche Updates? Movetia selbst, mit angekuendigter naeherer Klaerung im Herbst 2026. Bis dahin bleibt SEMP das gueltige Programm fuer deine Bewerbung.
Auslandspraktikum planen, unabhaengig davon was 2027 bringt?
Egal ob SEMP oder eine spaetere Erasmus+ Assoziierung: Ein starkes Profil und ein klarer Bewerbungsprozess sind heute schon der Hebel, der dich zum passenden Betrieb bringt. Nutze dazu das Bewerbungs Toolkit, um deine Unterlagen praktikumsreif zu machen.